Ein neues Jahr hat begonnen. 2011 haben wir hinter uns gelassen und fangen nun im Januar mit dem Jahr 2012 wieder von vorne an. Von vorne anfangen. Das klingt verlockend. Und deshalb beginnen wir ein neues Jahr – vielleicht sogar unbewusst – mit guten Vorsätzen. Wie wäre es mit dem guten Vorsatz, die digitale Fotosammlung in diesem Jahr endlich einmal ordentlich zu führen? Dazu braucht es nur ein Programm, mit dem man die Fotos verwaltet und den festen Vorsatz, am [...]
Passend zum letzten Beitrag, in dem Stephanie Esser von ihren Tagebüchern erzählt, stolperte ich gestern über einen Artikel im Uni-Spiegel. Dort wird von einem neuen Trend berichtet: Tagebuchlesungen. Zunächst in der Londoner Kneipenszene beheimatet, hat der Trend nun auch Deutschland erreicht. Frauen – und manchmal auf Männer– lesen in Cafés öffentlich aus den Tagebüchern ihrer Jugend vor. Man fragt sich, was das soll. Ist es wirklich lustig? Oder fühlt sich das Publikum eher durch Fremdschämen unterhalten? Was bringt den Vorlesern [...]
Ein Gastbeitrag von Stephanie Esser Mit acht Jahren bekam ich ein Weihnachtsgeschenk, das mein Leben entscheidend geprägt hat: eine dünne, schwarze Kladde mit roten Ecken. Ihre Seiten waren weiß, liniert und herrlich unbeschrieben. Ich wusste sofort: Das würde mein Tagebuch sein. Noch am heiligen Abend, kurz vor dem Schlafengehen, schrieb ich meinen ersten Eintrag. Er endete mit dem Satz: „Das wahr ein schönes Weihnachtsfest.“ In den Anfangszeiten waren die Einträge sporadisch und kurz, aber schon bald wurde das Tagebuch wie [...]
Digitale Druckverfahren machen unsere Welt bunter. Wir können jetzt alle möglichen Dinge mit unseren ganz persönlichen Fotos bedrucken lassen. Leider nicht immer geschmackvoll. Unzählige Anbieter haben sich auf die immer gleichen Fotogeschenke eingeschossen. Schlüsselanhänger, Tassen, Kissen, Puzzle. Nicht wirklich originell und nicht wirklich schön. Über einen meiner Lieblingsblogs – Augenpralinen, allein der Name ist ein Hingucker – bin ich aber auf einen Anbieter gestoßen, der sich erfreulich von den üblichen Verdächtigen abhebt. Taschen, Liegestühle, sogar ein Sitzsack, Wickelunterlagen, Lichtwürfel, Duschvorhang [...]
Wie überall in der Presse zu lesen war, hat Facebook vor einiger Zeit mit einem großen Rundumschlag die Timeline eingeführt. Nicht so bekannt ist aber, dass es ähnliche Plattformen schon längst gibt. Eine davon ist Memolane. Auf Memolane kann man, nachdem man sich registriert hat, eine persönliche Lane erstellen, eine Allee seines digitalen Lebens sozusagen. Die eigenen Twitter-, Facebook- und sonstigen digitalen Aktivitäten werden an einer Zeitleiste festgeheftet. Man kann Freunde einladen, Fotos und Kommentare zu gemeinsamen Aktivitäten hinzuzufügen, Blogartikel [...]
Bei Colli gab es keine schlimmen Strafen.
Stadtkind oder Landluft?
Kleinstadt
Wer und wie viele Personen lebten in eurem Haushalt?
Mama, Papa, ich und 3 Geschwister
Erzähl uns von deiner/-m Lieblingsoma/-opa?
Meine Lieblingsoma ist die Nachbarin, zu meinen richtigen Omas hab/hatte ich kein so inniges Verhältnis.
Kindergärtnerinnen, Verkäuferinnen, Friseusen, Arzthelferinnen und Krankenschwestern trugen sie. Aber auch Bademeister, Hausmeister, Lehrer oder Studenten. Auch auf jedem Schulhof und bei vielen zu Hause waren sie zu sehen. Die einen fanden sie hässlich und behaupteten, mit ihnen nicht laufen zu können. Die anderen dagegen fanden sie praktisch und bequem und waren
von ihrer gesundheitsfördernden Wirkung überzeugt.
Grillwürstchen sind für Franky unvergesslich.
Für diese Süßigkeit wäre ich meilenweit gelaufen:
Dolomiti Eis
Das erste Getränk mit Alkohol, das ich zu mir genommen habe:
Binding Römer Pils, Äbbelwoi vom Fass
Susi hat sich schnell getröstet.
Hattest du eine Sandkastenliebe?
Ja
Für wen hast du geschwärmt?
Für einen jüngeren Nachbarn (ein Jahr jünger), er war handwerklich sehr geschickt und sehr nett
Es gibt wohl kaum ein Kind, das nicht irgendwann den Wunsch äußert, ein Haustier zu besitzen. Dabei reicht die Palette der ersehnten Mitbewohner vom Aquarium bis hin zu Hund, Katze und auch Maus. Ein eigenes Pferd ist der Traum vieler junger Mädchen und dem Wellensittich wird trotz vorprogrammiertem Misserfolg hartnäckig das Sprechen beigebracht.
Seit unserem ersten Frühjahr hier in Moskau fasziniert mich, wie die Natur innerhalb weniger Tage von Winter auf Frühling umschaltet. Es dauert lange, bis der Winter ein Ende hat, aber dann ...
Da wir von unserer Wohnung aus einen schönen, kleinen Park überschauen, habe ich mich in diesem Jahr mit dem Fotoapparat auf die Lauer gelegt, um den richtigen Moment nicht zu verpassen, wenn die Natur explosionsartig von Graubraun auf Grün wechselt.
Es ist langweilig, immer nur übers Wetter zu schreiben. Dieses Mal bekommt Ihr es zu sehen.
Voilá, mein kleines Fotoprojekt ist nun online.
Ja. Es ist ein wenig wärmer geworden. Das Thermometer kratzt immer häufiger an der 0°C-Grenze.
Es tropft hier und da und die fleißigen Tadschiken sind unermüdlich mit der Beseitigung von Schnee und Eis beschäftigt – bevor es sich verflüssigt und die gesamte Stadt in schmuddelige Feuchtgebiete verwandelt.
Im Park sind hier und da ein paar Eichhörnchen gesichtet worden.
Die letzten Tage waren auch sehr sonnig und der gelbe runde Ball am Himmel scheint nicht mehr ganz so weit entfernt.
Aber Frühling ist das nicht.
Es ist mal wieder März und das ist – wie ich im letzten Jahr ausführlich beschrieb – der für mich schlimmste Monat des Jahres.
Es ist auch die Zeit, in der ich deutsche Nachrichtensendungen meide, in denen freudig vom Frühling, Krokusfeldern und den ersten Sonnenanbetern berichtet wird. Das ist kaum zu ertragen.
Heute schneit es wieder. Ich will keine Schneehosen mehr anziehen müssen. Der Daunenmantel ist einfach nur noch dick und schwer und unförmig. Winterstiefel? Bäh! Und ich mag meine Mütze nur noch an Bad-Hair-Tagen gerne tragen.
Selbst die Protestbewegung gegen Putin scheint wieder in den Winterschlaf zu verfallen.
Wir brauchen wohl noch etwas Geduld, bis (nicht nur) die Natur endlich wieder erwacht.
... eine grausige Entdeckung beim morgendlichen Spaziergang. :)
Wie man sieht, hat der Winter endlich Einzug gehalten in Moskau. Seit Sonntag liegt Schnee und wir haben dem alten Schlitten eine Ausfahrt gegönnt.
Verspätete Neujahrsgrüße aus Moskau!
Habe ich noch im letzten Beitrag angedeutet, die Mehrheit der Russen wolle Putin wiederhaben, so muss ich heute wohl eingestehen, dass ich da einem Irrtum aufgesessen bin. Zwar sehnen sich die Russen nach einem starken Mann, aber Putin ist es anscheinend nicht gelungen, sein Volk mit seinen Heldentaten weiterhin zu beeindrucken.
Aufregend war es am Samstag, die Geschehnisse in der Innenstadt zu verfolgen - per Twitter hauptsächlich. Niemals hätte ich mit so vielen Demonstranten gerechnet und mit einem friedlichen Ausgang der Proteste schon gar nicht.
Es sind spannende Zeiten in Russland und wenn die Proteste in der Form weitergehen, dann ist im Kreml wohl Götterdämmerung angesagt. Denn beim nächsten Prostestaufruf werden wohl auch die Bürger zur Demo gehen, die aus Angst vor Auschreitungen und Gewaltanwendung dieses Mal nicht dabei waren.
Wie schon so viele Regierungen in diesem Jahr, so hat auch die russische die Macht des Internets unterschätzt. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, dass die sozialen Medien die Meinung der Menschen beeinflussen. Es ist aber ein sehr machtvolles Mittel, sich zu organisieren und eine Öffentlichkeit herzustellen, die dem Gegner wenig Handlungsspielraum lässt.
Doch nur mit Klicks ist noch keine Revolution gewonnen worden. Es braucht immer noch die wütende Masse, die sich auf die Straße begibt.
Und die wird anscheinend auch in Russland immer größer. Der russische Winter kann schnell zum russischen Frühling werden – auch ohne Klimawandel.
Heute wird gewählt. Das Ergebnis scheint ja schon festzustehen. Die Partei des tapferen Helden, den die Russen so verehren, wird vermutlich die meisten Stimmen bekommen und alles daransetzen, dass der Bärenjäger, Schatztaucher und Motorradrocker im nächsten Jahr wieder zum Präsidenten gewählt wird.
Putin ist der starke Mann, ohne den in Russland nichts geht. Im Grunde genommen haben die Russen seit der Zarenzeit nicht viel dazu gelernt. Sie brauchen einen Anführer, der Stärke, Verwegenheit und Erbarmungslosigkeit ausstrahlt. So könnte man es zumindest in aller Kürze darstellen. Die Wahrheit ist natürlich viel differenzierter und komplexer. Aber in meiner Wahrnehmung erklärt es ganz gut, warum der Ausgang der Wahl heute keine Überraschung sein wird.
Heute wird in Russland also ein neues Parlament gewählt. Vom Wahlkampf haben wir, die wir weder russisches Fernsehen noch russische Zeitungen verfolgen, nicht besonders viel mitbekommen. Wenig Plakate, hier und da ein Infostand. Das war's.
Allerdings hat uns sehr wohl die Warnung der amerikanischen Botschaft erreicht, das Zentrum heute besser zu meiden und Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen. Prost Mahlzeit!
Ich hoffe, das gilt nicht für die Menschenansammlungen im Supermarkt, denn da muss ich gleich unbedingt noch hin. Wünscht mir Glück!
Manchmal lohnt es sich, bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu stöbern. Eben entdeckte ich in der Mediathek des ZDFs diesen wunderbaren Beitrag, der Moskau einmal von einer ganz anderen Seite zeigt.
Ich sollte öfter mal nächtliche Streifzüge unternehmen.
Hier geht's zum Video!
Ein weiterer Fall fürs Kuriositätenkabinett:
neulich auf der Schnellstraße.
... ein fast vergessenes, doch sehr vertrautes Geräusch, das mich heute morgen weckte. Noch bevor ich die Augen aufgeschlagen hatte, wusste ich, was über Nacht passiert war.
Rhythmisches Schaben und Kratzen über den Asphalt.
Der erste, richtige Schnee des Winters.
Schneehose, Daunenjacke, Winterstiefel, Mütze, Schal, Handschuhe. Winter bedeutet auch, fünf Minuten früher aufstehen, sonst ist der Schulbus weg, bis wir uns in die umfangreiche Ausrüstung gequält haben.
(Ob die Schneehose noch passt? Die Kinder haben ja neue, aber meine könnte den Sommer über geschrumpft sein.)
Der Hund steckt die Nase tief in die Spuren im Schnee, die den frühen Ausflug der Hofkatze verraten. Jede Bewegung verrät die unbändige Freude des Schneeliebhabers.
Die fleißigen Tadschiken, die auch gerne mal als Beutetiere für jagende Hooligans dienen, sind vom Laubkehren zum Schneeschieben übergegangen.
Die weiße Pracht reflektiert das Licht, wenn die Sonne dann gegen 9 Uhr morgens sich den Weg nach Moskau gebahnt hat.
Welcome back, Winter!
Der November ist einer dieser Monate, in denen die Moskau-Krankheit verstärkt um sich greift.
Zumindest nenne ich sie so. Moskau-Krankheit. Es ist diese Müdigkeit, die mit dem chronischen Lichtmangel einhergeht. Das Gefühl, dass es überhaupt nicht mehr hell wird und man selbst gar nicht so richtig wach. Es ist diese Unlust, das Haus zu verlassen und sich den nasskalten Minusgraden auszusetzen. Man möchte sich einigeln, im Bett bleiben, nicht reden, niemanden sehen. Vielen fällt der tägliche Kampf mit der russischen Arbeitsweise schwerer als sonst und man sieht im Expat-Freundeskreis so manch graues, gestresstes Gesicht.
Ja, natürlich, das kennt man. Ist doch normal. Der Herbst kann trübe sein, auch in Deutschland. Aber in Moskau ist es irgendwie härter. Schlimmer. Kraftraubender.
Generell kommt es mir manchmal so vor, als befände sich unter der Stadt ein riesiger Energiestaubsauger. Viele Expats hier kennen das Gefühl, doch es ist schwer zu beschreiben. Man fühlt sich jeglicher Energie beraubt, sobald man nur das Haus verlässt.
Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Die Stadt ist zwar laut und voll, aber dennoch geht es längst nicht so hektisch zu wie in anderen Großstädten. Trotzdem geht von ihr ein undefinierbarer Druck aus, der ermüdend ist und das Lächeln aus den Gesichtern der Menschen wischt. Und das ist nicht unbedingt wetterabhängig.
Das Wetter trägt natürlich auch seinen Teil dazu bei. Derzeit ist es kalt, regnerisch, es schneit auch zwischendurch, aber noch hat der Schnee kein Chance und schmilzt ganz schnell wieder von dannen. Der Himmel ist grau und die Natur hat auch jegliche Farbe verloren. Wir alle warten auf richtigen Schnee, der mit seinem strahlenden Weiß hoffentlich unsere Gemüter wieder etwas erhellt. Dann ist ein Spaziergang in eisiger Kälte und bei strahlendem Sonnenschein eine ganz gute Medizin gegen die Moskau-Krankheit.
Also, Schneeflöckchen, so geht das nicht weiter. Beweg dein weißes Röckchen bitte recht bald hierher!
Bald ist es wieder soweit. Der Winter hält Einzug und damit die Winterzeit. Aber halt. Nicht in Russland. Nicht mehr.
Im Frühjahr wurden die Uhren hier - wie in Deutschland auch - auf Sommerzeit umgestellt. Dabei hat Russland in diesem Jahr ganz clever auch die Zeitzonen innerhalb des Landes von 11 auf 9 reduziert.
Und dabei bleibt es.
Russland stellt die Uhren ab jetzt nicht mehr um. Es herrscht ewige(r) Sommer(zeit)!
Keine Minijetlags mehr, die so manche Eltern viele Nerven kosten. Kein Megaschreck mehr, wenn man vergessen hat, eine der siebenundreißig Uhren im Haus umzustellen. Nie wieder eine Stunde zu früh oder zu spät auf der Arbeit, weil man mal wieder die Umstellung verpennt hat.
Wie praktisch!
Leider heißt das aber auch, dass der Zeitunterschied im Winter zu Deutschland dann drei Stunden beträgt.
Dann wird das Telefon vielleicht mitten in der Nacht klingeln, weil die liebe Verwandschaft mal wieder nicht dran gedacht hat, dass wir ihrer Zeit voraus sind.
Dann können wir zur besten Sendezeit Vorabendserien anschauen und nach der Tagesschau ins Bett gehen oder dank Aufzeichnungsmöglichkeiten bestimmte Sendungen erst am nächsten Tag genießen.
Da der Flug von Moskau nach Frankfurt nur 3,5 Stunden dauert, können wir dann quasi ohne nennenswerten Zeitverlust gen Deutschland reisen. Für den Rückweg gilt das dann natürlich nicht. Da ist dann gleich ein halber Tag futsch.
Ist das nun innovativ oder eigenbrötlerisch? Man weiß es nicht. Wir werden sehen. Das Thermometer wird sich davon vermutlich nicht beeindrucken lassen.
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Gedanklicher Ortswechsel:
In der Türkei ist es entgegen der Vorstellung vieler sonnenhungriger Touristen nicht immer Sommer. Im Osten der Türkei wird es schweinekalt im Winter. Und genau da gab es ja letzte Woche ein verheerendes Erdbeben und viele Menschen sind obdachlos. Der Winter steht vor der Tür, es wird bald der erste Schnee erwartet.
Es gibt eine tolle Hilfsorganisation, die ihren Schwerpunkt in der Bereitstellung von Notunterkünften für Katastrophenopfer hat. Wer sich also überlegt, wie er den Erdbebenopfern in der Türkei helfen kann, dem möchte ich hiermit Shelterbox ans Herz legen.
Am Samstag war der wohl letzte schöne, sonnige, strahlende, warme Tag in Moskau für dieses Jahr. Während das Töchterlein im Kunstkurs weilte, schlenderte das alte Weib - also ich - durch die von Licht erfüllte Innenstadt.
Ich lief am wunderbaren Bolshoi-Theater vorbei, das nach jahrelanger Renovierung Ende des Monats wieder eröffnet wird. Es erstrahlt in neuem Glanz und die Moskoviter können es kaum abwarten, "ihr" Theater endlich wieder von innen sehen zu dürfen.
Beim Überqueren der Straße erhaschte ich einen Blick auf die Duma (rechts hinten) und das eindruckvolle Hotel Metropol (links).
Über den mit Souvenirständen vollbepackten Platz der Revolution
schlenderte ich gen Manegenplatz, über den General Schukov auf seinem Pferd wacht.
Von dort betrat ich den Roten Platz, auf dem schon wieder Gerüste und Bühnen für ichweißnichtwelche Veranstaltung aufgebaut werden.
Ich tat es den aufgehübschten Russinnen gleich und spazierte (allerdings ohne High Heels) übers Kopfsteinpflaster auf die Basiliuskathedrale zu,
vor der es für Fotografen immer viel zu tun gibt. Ich wandte mich um und bewunderte auf dem Rückweg das herrliche Kaufhaus GUM, das den Platz überstrahlt und den roten Kreml-Mauern die Show stiehlt. Ein Blick zurück über das geschäftige Treiben zauberte mir ein Lächeln aufs Gesicht,denn an manchen Tagen ist Moskau einfach nur schön!
Unsere 7-jährige ist ein sehr kreativer Mensch. Sie liebt es zu malen, zu singen, zu tanzen und aus einem Marmeladenglasdeckel bastelt sie sich flugs ein Püppchen.
Seit einiger Zeit geht sie jeden Samstag in einen Kunstkurs. In der Innenstadt bietet eine britisch-spanische Künsterlin, Davina Garrido, in ihrem Atelier Kurse für Erwachsene und Kinder an. Ela liebt diesen Kurs. Davina liest und betrachtet mit den Kindern zu Beginn jeder Unterrichtsstunde ein Kinderbuch. Angelehnt an diese Geschichte werden die Kinder anschließend kreativ. Sie lernen, mit den verschiedensten Materialien und Techniken zu arbeiten. Davinas Atelier ist ein toller Ort, der sehr stimulierend wirkt, und Davina selbst ist eine ganz reizende, wenn auch manchmal etwas chaotische Person. Eine Künstlerin eben.
Vorletzten Samstag wurden wir beim Betreten des Studios von einem Fernsehteam überrascht. Der englischsprachige Sender RussiaToday drehte ein kleines Porträt über Davina. Ela war sehr aufgeregt, dass sei gefilmt wurde, obwohl sie sich das auf ihre gewohnt coole Art natürlich nicht hat anmerken lassen.
Jeden Tag haben wir auf die Ausstrahlung gewartet. Am Dienstag war es soweit. In einem Beitrag mit Tipps zur kreativen Freizeitgestaltung in Moskau versteckt, entdeckten wir unser Kind, wie es mit großen Augen am Kunstkurs teilnimmt.
Eine wunderbare Erinnerung und ein aufregendes Erlebnis.
Das Expat-Leben in Moskau hat mir einige nette Annehmlichkeiten beschert. Eine davon ist Liza, meine Haushaltshilfe.
Liza ist Philippinin, sie lebt seit drei Jahren in Moskau und schickt ihren Verdienst wann immer möglich in ihre Heimat. Dort hat sie zwei fast erwachsene Söhne, die bei Lizas Eltern leben und die sie auch schon seit drei Jahren nicht gesehen hat. Hier in Moskau wohnt Liza in einer Wohngemeinschaft mit mehreren Landsleuten.
"Meine" Liza wäscht und putzt und bügelt und betreut die Kinder und in den Ferien den Hund. Wir mögen sie sehr gerne. Die Kinder lieben sie, weil sie immer mit ihnen Schule, Verstecken oder Monster spielt. Sie lässt sich von ihnen sogar die Nägel lackieren und die Haare machen, was ich persönlich niemals zulassen würde. Dafür bin sogar ich uneitle Person zu eitel.
Ich mag Liza, weil sie sehr selbständig und zuverlässig ihre Arbeit macht. Manchmal muss ich sie regelrecht bremsen, wenn sie dem Aufräumwahn verfällt. Ihre Anwesenheit hat zudem den Vorteil, dass ich mehr Zeit und Energie aufs Kochen verwende, was dem kulinarischen Alltag im Hause T. sehr zugute kommt.
Leider war Liza diese Woche ein paar Tage außer Gefecht gesetzt. Auf dem Heimweg wurde sie einfach so im Vorbeigehen von einer betrunkenen Russin niedergeschlagen. Eine Glasflasche von hinten auf den Kopf. Zack! Liza ist froh, dass sie noch lebt.
In Russland gibt es meiner Meinung nach drei Hauptprobleme: Korruption, Alkoholismus und Rassismus. Der Kombination der zwei letztgenannten ist Liza wohl zum Opfer gefallen. Asiatisches Aussehen reicht oft aus, um angegriffen zu werden. Es ist eine Schande!
Die Polizei hat Liza nicht gerufen. Und ärztliche Versorgung hat sie auch nur nach vielem Hickhack wegen fehlenden Papieren (die gerade auf Visumsverlängerungsreise sind) erhalten. Damit wären wir bei Problem Nummer eins. Der Korruption. Denn für Gerechtigkeit und Gesundheit hat Liza einfach nicht das Geld.
Ja, das klingt alles sehr polemisch. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich Menschen nicht über einen Kamm schere. Aber es ist schon so. Diese Angriffe auf Menschen mit asiatischem Aussehen sind gar nicht so selten in Moskau. Und das nötige Kleingeld in der Tasche entscheidet oft, auf welche Seite der diensthabende Polizist sich schlägt oder ob das Röntgengerät zufällig doch gerade frei ist.
Realität. Unschön. Aber auch nur eine Seite der Medaille. Die Realität besteht aber zum Glück nicht nur aus einer Geschichte.
Keine Panik! Es gab keinen Unfall und keinen Notfall und auch sonst sind wir alle recht munter (von diversen Verschnupfungen der Kinder einmal abgesehen).
Sie werden aber gerade Zeuge des Wiederbelebungsversuchs eines verwahrlosten Blogs. Dieses Blogs. Zugegeben, es war recht still in letzter Zeit hier. Aber das möchte ich nun wieder ändern. Und da ein Umzug oft eine belebende Wirkung haben soll, habe ich mich entschlossen, dem Wodka-und-Kaviar-Blog einen neuen Wohnort zu gönnen. Da posterous.com einige Neuerungen eingeführt hat, die mir gefallen, habe ich den Blog hierher importiert. Ich hoffe, es gefällt ihm (und Euch) hier, genau wie meinem Zweitblog „TED spricht Deutsch“.
Auch andere Wiederbelebungsversuche bestimmen derzeit unseren Alltag.
Da wir ja nun auch nicht jünger werden und sich erste Altersanzeichen dahingehend bemerkbar machen, dass es überall ziept und zerrt (und die Waage ächzt, aber das hat mit dem Alter nichts zu tun), sind wir neuerdings Mitglied im Fitnessclub. Es ist ein sehr schöner Club, es ist ein schweineteurer Club. Der Club ist so sauteuer, dass sich unser sonst so mächtige Schweinehund ganz kleinlaut in eine Ecke verzogen hat. Es ist ein luxuriöser Club. Aber ich finde, wenn ich mich schon so unangenehmen Dingen wie Sport aussetze muss will, dann bitte nur in angenehmer Umgebung. Wobei der eigentliche Vorteil dieses speziellen Clubs darin liegt, dass viele Expats dort trainieren und das Personal nicht erschrickt, wenn man nur über höchst rudimentäre Russischkenntnisse verfügt.
Apropos Russisch. Auch die werden gerade, wenn auch zaghaft, wiederbelebt. Zumindest habe ich einen ganz netten Podcast entdeckt, den ich mir immer dann anhöre, wenn ich auf dem Laufband auf der Stelle trete. Wie praktisch, wenn man zwei unangenehme Dinge miteinander verbinden kann. Wer weiß, vielleicht wird aus mir doch noch eine multilinguale Sportskanone.
Und bevor sich nun der Winter in die Wiederbelebungsphase begibt, hoffen wir noch auf ein paar sonnige Herbsttage. Aber dem Herbst ist wohl schon die Puste ausgegangen. Der Sonne auch. Eine Wiederbelebung ist vor Ende April eher nicht in Sicht.
Schade.
... die Filmcrew.
Da war sie wieder. Heute morgen. Quasi direkt vor unserer Haustür.
Schon oft ist sie irgendwo hier im Viertel aufgetaucht. Mit Caravan und Beleuchtungsequipment und Cateringwagen.
Und irgendwann finde ich auch noch heraus, welche Soap da in unserer Nachbarschaft gedreht wird.
... ist keine Schande. Und damit spiele ich keineswegs auf die traurigen Ereignisse vor 66 Jahren an, als die Russen ihren glorreichen Sieg über Deutschland errangen, was sie auch in diesem Jahr wieder mit einer prachtvollen Parade am 9. Mai ausführlich gefeiert haben. Sollen sie ja auch.Dieses Jahr waren wir sogar mal in der für den Verkehr abgeriegelten Innenstadt und haben die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Ich bin ja überhaupt kein Fan dieser dämlichen Militärparade. Aber es rührte mich schon zu sehen, dass so viele junge Leute den Kontakt zu den Veteranen des 2. Weltkrieges suchten, um Geschichte(n) aus erster Hand zu erfahren. Die Veteranen, Männer wie Frauen, waren unschwer zu erkennen. Nicht nur an den mit Orden behängten Uniformen, sondern auch an den Blumenbergen, mit denen sie von vielen Menschen beschenkt wurden.Allerdings macht es mich auch wütend zu sehen, dass diese alten Leutchen offensichtlich meist in ziemlicher Armut leben. Da frage ich mich schon, warum der Staat viel Geld für Militärparaden ausgibt, aber keine ordentlichen Pensionen für die zahlt, die jedes Jahr so ehrenvoll bejubelt werden.Aber das nur am Rande. Eigentlich soll es in diesem Beitrag ja um meine eigene Kapitulation gehen. Der Kapitulation vor der russischen Sprache. Wir leben jetzt schon seit zweieinhalb Jahren in diesem Land und ich kann immer noch nicht mehr als der Obstfrau mit Händen und Füßen zu zeigen, dass ich lieber rote statt gelbe Paprika möchte. Es ist schade, aber ich habe es aufgegeben.Das nagt an mir. Wirklich. Schließlich sind Sprachen mein Beruf. Ich bin Übersetzerin. Mit Diplom. Nur leider nicht für Russisch.Aber mal ehrlich. In der Schule habe ich jahrelang Französisch gelernt, um es bei Studienbeginn umgehend wieder zu vergessen. An der Uni habe ich mich für Spanisch als Erstsprache entschieden, mich mühsam durch unregelmäßige Verben gekämpft und ein herrliches Semester in Spanien verbracht, um mir dann später einen türkischen Ehemann zuzulegen, der mich nach Moskau verschleppt. Wozu das alles?Okay, Englisch kann ich immer noch gut gebrauchen. Allerdings sprechen meine internationalen Kontakte hier auch nicht gerade auf muttersprachlichem Niveau und so gewöhnt man sich ein sehr einfach strukturiertes Englisch an, mit dem ich sicher in England keinen Blumentopf gewinnen würde.Was soll ich also noch mit Russisch? Hätte ich hier eine zweite Heimat gefunden, die ich auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht verlassen wollen würde, dann, ja dann könnte man mich täglich zum Russischkurs rennen sehen. Aber es werden vielleicht noch zwei oder drei Jährchen sein, dann führt uns unser Weg sicherlich in ein anderes Land oder zurück nach Deutschland. Und da Russisch eine Sprache ist, die man unbedingt üben, anwenden, gebrauchen muss, um sie zu erlernen und zu behalten, habe ich keine Hoffnung, dass mir meine Russischkenntnisse - sofern ich denn welche hätte - in der Zukunft erhalten bleiben.Es ist wirklich eine schwierige Sprache. Keine Frage. Aber erlernbar. Wenn man sie denn anwendet. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt wohl einige Russen, die sich bemühen, die langsam und deutlich sprechen, wenn sie meinen verständnislosen Gesichtsausdruck bemerken. Manche versuchen sogar, ihr Anliegen in anderen Worten, einfacheren Sätzen zu formulieren. Aber das ist wirklich selten.In den meisten Fällen sind die Russen einfach damit überfordert, wenn ihr Gegenüber kein Russisch spricht. Ich bin überzeugt, dass sie nicht unhöflich oder arrogant sein wollen. Sie sind hilflos. Zumindest hoffe ich das. Denn oftmals drehen sie sich einfach um und gehen weg, wenn ihnen eine Verständigung unmöglich scheint. In der Türkei habe ich das ganz anders erlebt. Es macht nichts, wenn man nur zwei oder drei türkische Wörter kennt. Die Türken freuen sich darüber, kramen ein paar deutsche Wörter hervor und erzählen dir flugs ihre ganze Lebensgeschichte. Und du verstehst sie. Nur wenige Russen können das. Vielleicht liegt es daran, dass Russen keine so vielfältige Mimik besitzen? Zumindest ist das mein Eindruck.Manchmal passiert es mir auch, dass mein Gegenüber sich schon Mühe gibt, dass ich ihn verstehe. Er wiederholt seinen Satz. Immer und immer wieder in genau den gleichen Worten. Nur lauter. Vielleicht sollte ich mir mal ein T-Shirt bedrucken lassen mit den Worten: "Ich bin nicht taub, ich spreche nur Ihre Sprache nicht."Ich habe mich also zur Kapitulation entschieden, wohl wissend, dass ich damit niemals die Seele des russischen Volkes wirklich ergründen werde. Man lebt wie in einer Käseglocke, nicht ahnend was im Land und in der Gesellschaft wirklich vor sich geht. Das finde ich schon schade, kann es aber nicht ändern. Der Versuch, diese Sprache zu lernen, raubt mir zu viel Energie, die ich für andere Dinge in dieser anstrengenden Stadt brauche.Aber da ich mit dieser Entscheidung in der Expatgemeinde hier in Moskau nicht alleine bin, arrangiere ich mich mit meinem Versagen und lache über mich selbst, wenn auf meinem Teller im Restaurant mal wieder ein Wachtelei mit Kaviar landet, statt einer Hühnchenbrust.
... auf die Südhalbkugel.Hinweis: Dies wird ein Beitrag übers Wetter. Wer sich nicht fürs Wetter interessiert, der darf gerne wieder woanders über Bombardierungen, Tsunamis, Verstrahlungen und Wahlkampftaktiken lesen. Auswahl gibt es da derzeit ja genug...Der März gehört mit zu den schlimmsten Monaten im Jahr.Der Winter ist noch nicht zu Ende, aber der Frühling pirscht sich schon heran. Leider entgeht das dem Winter meist nicht und er mag sich nicht kampflos ergeben. Im Gegenteil. In den letzten drei Tagen hatten wir Temperaturen zwischen - 5 und + 8 Grad Celsius. Es gab Schnee, Schneeregen, Regen, Sonne und viel, viel Wind. Das ideale Wetter für Taschentuch- und Gummistiefelfabrikanten.Es ist ein Schauspiel, das einen Schriftsteller zu literarischen Höchstleistungen antreiben kann. Ich würde aber dennoch gerne drauf verzichten. Zu viel Dramatik!Der russische Wettergott ist übrigens ganz gemein. Er hat nämlich vor den Frühling das Tauwetter gesetzt. Während der Winter ja über Monate hinweg fleißig meterhohe Schneeberge angehäuft und mit eisigen Klauen festgehalten hat, muss der Frühling sich mit dem Tauwetter verbünden, um die Welt wieder ergrünen lassen zu können. Das heißt, sobald die Temperaturen wieder steigen, verwandelt sich Moskau in eine einzige, riesige, schmutzige Pfütze. Da es kaum mehr schneit, wird der noch vorhandene Schnee immer schwärzer, schmuddeliger, unansehnlicher. Wi-der-lich! Man will nur noch weg!Und es tropft. Überall tropft es. Man kann keinen Schritt tun, ohne von oben mit Eiswasser gesegnet zu werden. Und man kann auch kein Auge zumachen, ohne dass es vor dem Fenster plitscht und platscht.Das ist manchmal sogar recht gefährlich. Am Anfang sind die Dächer ja noch voller Schnee und Eis. Riesige Eiszapfen hängen teilweise von den Dachkandeln und drohen den ahnungslosen Spaziergänger zu erschlagen.Und dann - ganz perfide - gibt es diese fiesen Fallen. Wenn die Temperaturen nachts sinken, dann frieren die Pfützen wieder zu und oftmals sind sie morgens von feinem Schneestaub verdeckt. Aua! Hochbetrieb in der Orthopädie! Mit langen Wartezeiten ist zu rechnen.Ja. Der März in Moskau ist fies. Ganz fies. Aber manchmal, wenn es weder schneit noch regnet oder stürmt, manchmal, wenn die Sonne mit großzügiger Erlaubnis des Winters vom strahlend blauen Himmel scheinen darf, dann merkt man, dass es nicht mehr lange dauert. Bis zum Frühling.(Derweil verabschieden wir uns für eine Weile aus Moskau und machen uns unter anderem auf den Weg zu unseren lieben Freunden nach Brasilien, denen wir ein paar Tage lang auf die Nerven gehen dürfen, bevor wir uns im April dann wieder vom Fortschritt des Frühlings in Moskau überraschen lassen.)
Ja, ich weiß, Jahresrückblicke gehören nicht in den Januar. Aber warum eigentlich?Im Fernsehen laufen die Rückblicke schon ab Ende November. Es ist wie mit den Weihnachtsprodukten. Die sind auch immer früher in den Läden, denn man will ja der Erste sein. So auch die Fernsehsender, die schon Mitte November auf ein Jahr zurückblicken, das noch längst nicht vergangen ist. Man kann doch den Dezember nicht einfach so unterschlagen.Okay, okay. Es ist der 20. Januar 2011 und ich bin wirklich recht spät dran mit meinem Blick zurück. Aber man muss ja erstmal ankommen im neuen Jahr, bevor man das vergangene mit relativer Gelassenheit betrachten kann. Ein wenig Abstand kann ja nicht schaden.Leider geraten die Ereignisse so aber auch ein wenig in Vergessenheit, weshalb ich meine grauen Zellen und meine Festplatte ganz schön strapazieren muss.Also. 2010. Hm. Ein gutes Jahr für mich. Für uns. Gar keine Frage. Unser zweites Jahr in Moskau, in dem der Reiz des Neuen verflogen ist, in dem wir aber auch gelernt haben, die positiven Seiten der Stadt zu genießen und die negativen mit einem Achselzucken hinzunehmen, denn man gewöhnt sich irgendwann an alles. - Wir hatten einen herrlichen Urlaub in Istanbul mit unseren brasilianischen Freunden, die uns Moskau beschert hatte,
- wir genossen die Schönheit der Toskana mit alten Studienfreunden,
- wir besuchten ein fantastisches Sting-Konzert,
- wir bestaunten jeden Tag aufs Neue, wie unsere Töchter sich in zwei neuen Sprachen immer besser zurechtfanden,
- wir hatten nette Abende in den verschiedensten Restaurants der Stadt mit Leuten, die sich aufs gleiche Abenteuer eingelassen hatten,
- wir freuten uns sehr über die Besuche aus der Heimat
- und wir genossen die wenige Zeit, die wir in Deutschland verbrachten mit Freunden und Familie sehr.Mein ganz persönliches Highlight des Jahres war aber eindeutig meine Teilnahme an der TEDGlobal-Konferenz in Oxford im Juli. Im Januar war ich auf die Webseite von TED.com gestoßen. Begeistert sah ich mir einige Talks an und beschloss, meine im Übersetzerstudium erworbenen Kenntnisse nicht länger verkümmern zu lassen und das Open Translation Project tatkräftig zu unterstützen. Freiwillige Übersetzer aus der ganzen Welt übersetzen die Untertitel der Talks in 80 Sprachen. Das Übersetzen macht riesigen Spaß, ist oftmals eine Herausforderung und mit jeder Übersetzung lernt man unendlich viel dazu.Dann ergab sich sehr kurzfristig die Möglichkeit, an der Konferenz teilzunehmen. TED lud einige Übersetzer - quasi als Dankeschön - ein, zu einem reduzierten Preis die sauteure, immer Monate im Voraus ausverkaufte Konferenz zu besuchen. Yeah! Babysitting organisiert, Flug und Hotel gebucht und schwups saß ich im Publikum und durfte Annie Lennox bewundern. Annie Lennox! Wow! Allein dafür hatte es sich gelohnt.Aber ich lauschte auch so interessanten Menschen wie
- Julian Assange, der als Überraschungsgast von TED-Kurator Chris Anderson interviewt wurde,
- Peter Eigen, mit dem ich mich auf einer Abendveranstaltung über Korruption in Russland austauschen konnte,
- Zainab Salbi, die für ihr Engagement für Frauen aus Kriegsgebieten meine absolute Bewunderung hat,
- Maz Jobrani (im Bild unten, 3. von links), der mit seiner Stand-up-Comedy für einen Lachanfall nach dem anderen sorgte,
- und Elif Shafak, die eine für mich sehr erhellende Rede hielt.
(Die Talks der oben genannten Personen sind empfehlenswert und über TED.com kostenfrei abrufbar.)
Ich traute mich Würmer auf Schokokeksen zu probieren, durfte in der ältesten Bibliothek Englands, der Bodleian Library, die Erstausgabe der Werke von Shakespeare anfassen und habe beim Punting während des Picknicks zum Abschluss Tränen gelacht mit den Übersetzerkollegen. Ich traf ganz viele, interessante, nette, aufgeschlossene Menschen aus aller Welt. Diese Offenheit, diese Bereitschaft, sich mit jedem Teilnehmer, der gerade neben einem stand oder saß, zu unterhalten machte für mich dieses Konferenz zu etwas ganz Besonderem. Beim Punting:
Natürlich gab es auch weniger schöne Momente im letzten Jahr. Wir mussten unsere Lieblingsbrasilianer wieder in die Heimat ziehen lassen und auch eine weitere Familie, die wir ins Herz geschlossen haben, verließ Moskau. Wir verbrachten ein paar weitere, leider traurige Tage in Istanbul, um einem kranken Lieblingsonkel beizustehen, wir erlebten abenteuerliche Tage, als meine Mutter nicht nach Hause fliegen konnte, weil es einem Vulkan ziemlich egal war, dass das Visum abgelaufen war, und was in Moskau im Sommer sonst noch so los war, konnten ja jeder in den Medien verfolgen. Wir waren zur Zeit des großen Smogs zum Glück nicht in der Stadt.So verging das Jahr in einem höchst rasanten Tempo. Und wir sind gespannt, ob 2011 mit dem letzten Jahr wohl mithalten kann, denn 2010 wird uns in absolut guter Erinnerung bleiben.
In meiner Jugend - und damals hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals einen Satz mit diesen Worten beginnen würde - war es ganz normal, auch samstags die Schultasche zu schnappen und in die heiligen Hallen der Bildung zu fahren.Wir machten uns darüber keine Gedanken. Es war halt so. Nun gut, irgendwann wurde dann der schulfreie Samstag eingeführt. Einmal im Monat durften wir ein zweitägiges Wochenende genießen. Die versäumten Stunden wurden an einem Rolltag nachgeholt, was immer wieder zu Verwirrungen führte. In dem einen Monat in der kurzen Woche am Montag Unterricht wie samstags, im nächsten Monat am Dienstag, etc. Kann jemand folgen? Wir konnten es oft nicht und es gab immer Probleme. Und als dann 14-tägig der schulfreie Samstag eingeführt wurde, fragten wir uns schon nach dem Sinn von Samstagsunterricht an sich.Wie einfach haben es die Kinder da heute. Samstag ist schulfrei. Punkt. Herrlich. So ist es auch hier in Moskau. Die internationale Schule, die unsere Kinder besuchen, hat samstags geschlossen. Samstags wird auch nicht gearbeitet.Außer heute.Heute ist Schule, weil heute auch ein normaler Arbeitstag ist, weil letzte Woche am Donnerstag Feiertag war und der Freitag als Brückentag genutzt wurde, was diese Woche durch eine Sechs-Tage-Woche ausgeglichen wird. Kapiert? Wer nun glaubt, das sei eine lustige Idee der Schule, der irrt. Das ist höchst offiziell von der russischen Regierung so festgelegt. Genauso wird bestimmt, dass ein Feiertag, wenn er auf einen Samstag oder Sonntag fällt, am Montag nachgeholt wird. Die Feiertagsregelungen in Russland sind also sowohl arbeitnehmer- als auch arbeitgeberfreundlich. (Übrigens ist nach langen Wochenenden montags immer nur sehr wenig Verkehr auf Moskaus Straßen. Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist, bis mir jemand grinsend erklärte, dass dann der Alkoholpegel im Blut noch zu hoch sei, um Autofahren zu können. Das ist eine Erklärung, die ich sofort und ohne weitere Recherche glauben kann.)Die Schule der Kinder hatte letzte Woche darum gebeten, die Kinder, die an diesem Samstag erscheinen wollen, anzumelden. Wohl wissend, dass sicher nicht alle Eltern ihre Kinder dann zur Schule schicken würden.Ich habe meinen Kindern die Wahl gelassen, mit dem unglaublichen Ergebnis, dass die Kleine zu Hause geblieben ist, weil sie sonst ihren Kunstkurs verpassen würde, und - nicht zu fassen - die Große, die Ich-mag-die-Schule-nicht-Tochter, heute freiwillig in den Schulbus stieg. Natürlich findet heute kein normaler Unterricht statt. Activities stehen auf dem Plan. Wie die aussehen, werde ich dann heute Nachmittag erfahren, wenn das große Kind hoffentlich mit einem schönen, erlebnisreichen Tag im Erzählgepäck nach Hause kommt.Dass ich das noch erleben darf! (Auch so ein Satz...)
Für meinen täglichen Spaziergang mit dem Hund gehe ich gewöhnlich in einen Park ganz in der Nähe unserer Wohnung. Dazu muss ich eine große Straße überqueren, ein Unterfangen, das manchmal einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Es gibt zwar einen Zebrastreifen, aber der ist für die russischen Autofahrer auch nur eine lustige Abwechslung.Höchst selten hält ein Auto an, es sei denn, man steht schon mit einem Bein auf der Straße. Es ist ein wenig wie der ewige Kampf "Mensch gegen Maschine". Wer stoppt, wer traut sich weiterzugehen, wer hat die stärkeren Nerven? Inzwischen habe ich mich einigermaßen an das Spielchen gewöhnt. Anpassungsfähigkeit ist eine wichtige menschliche Eigenschaft. Wie wichtig, das erfahre ich hier in Moskau täglich hautnah und am eigenen Leib.In der Gegend unseres Hauses treibt auch eine der vielen Moskauer Straßenkötergangs ihr Unwesen. Die drei nicht gerade kleinen Hunde streunen mal hier und mal dort, liegen unter den Büschen vor dem Haus, stromern durch den Park oder verbellen vorbeifahrende Autos. Zu Anfang haben sie meinen Adrenalinspiegel immer rapide in die Höhe schnellen lassen. Mittlerweile weiß ich, dass sie eigentlich harmlos sind, so lange man sie ignoriert.Wir nennen die drei räudigen Gesellen inzwischen liebevoll "Die Gang" und haben uns - Stichwort Anpassungsfähigkeit - an sie gewöhnt. Allerdings fragte ich mich immer, wie die Jungs es schaffen, heil und unversehrt die Straße zu überqueren.Am Sonntag konnten wir nun beobachten, was wir kaum für möglich gehalten hatten. Das herrliche Altweibersommerwetter hatte uns alle - also Vater, Mutter, zwei Kinder und ein Hund - in den Park gelockt. Auf dem Rückweg sahen wir einen der Köter aus der Gang. Er war auf der Verkehrsinsel in der Mitte der mehrspurigen Straße und schickte sich an, die Fahrbahn am Zebrastreifen zu überqueren. Da geschah es. Wir wurden wieder einmal Zeuge der unbändigen russischen Tierliebe. Ein Autofahrer hielt an und ließ den Straßenhund in aller Ruhe über den Zebrastreifen auf die sichere andere Seite der Straße spazieren. Wir blieben staunend zurück und es brauchte ein paar Minuten, bis sich ein weiterer Autofahrer erbarmte und auch für uns - also Vater, Mutter, zwei Kinder und ein Hund - am Zebrastreifen bremste. Es stellt sich nun die Frage, ob der nette Autofahrer für uns - also Vater, Mutter, zwei Kinder - angehalten hatte - oder für unseren Hund...